Sport- und Kulturhalle Dußlingen

Bauherr       Gemeinde Dußlingen, DE

Verfahren beschränkter Architekturwettbewerb 1. Preis

Baukosten   7.200.000 € (KGR 3+4)

Bauzeit    2015 - 2019

BGF          3.400m²

Kubatur   20.380m³

Lage und Baukörper:

Das Grundstück liegt an einer Talaue in zentraler Lage der Gemeinde Dußlingen. Ein Grünraum geprägt durch die westlich gelegene Steinlach, alte Kastanien und die östlich ansteigende Topographie.

Der längliche Baukörper liegt im Zentrum des dreieckigen Grundstücks. In Verlängerung des Schulgebäudes bildet er mit einer unmerklichen Drehung einen Platzraum gegenüber der Steinlach und definiert damit einen Vorbereich mit Festwiese.

Das große Gebäudevolumen ist dabei nicht ersichtlich. Pavillonartig, ohne Rückseite wird es  von dem Grünraum umflossen.

Gegenüber der Schule zeigt sich der Baukörper massiv und löst sich zum Fluss hin in horizontale Scheiben auf. Eine Dynamik, die sich in der skulpturalen Form wiederspiegelt. Der Saal bildet dabei den Hochpunkt und bleibt in seiner Priorität ablesbar. Eine Art Reling bildet sich aus dem Vorplatz und lädt gegenüber der Steinlach zum Verweilen ein.

Die zwei Baukörper der Sporthalle und Kulturhalle sind von oben betrachtet zueinander versetzt, so dass sich zwei Punkt-symmetrische Eingangsbereiche bilden. Das Dach überspannt diese und eint das Gebäude als Ganzes.

Nicht zu erkennen ist, dass sich das Projekt schrittweise entwickeln musste. So wurde erst nach Fertigstellung der Sporthalle die alte Festhalle abgebrochen und anstelle Ihrer die Kulturhalle errichtet.

Großformatige Natursteinplatten bespielen durch Ihre Oberflächenvariation die Fassadenflächen. Gegenüber der hellen Fassadenfläche treten die Eingangsbereiche durch eine glattere Oberflächenbearbeitung hervor und unterstreichen die skulpturale Erscheinung.

Das von Oben einsehbares Flachdach ist extensiv begrünt. Auf dem südorientierten Kulturhallendach ist eine PV Anlage integriert.

Sporthalle:

Die Sporthalle betritt man über eine Erschließungsgalerie. Dreiseitig verglast bietet Sie neben dem Blick auf das Spielfeld einen großen Außenbezug. Das Dach scheint lediglich auf den Wänden der Treppenabgänge aufzuliegen und zu schweben. Sitznischen laden zum Verweilen ein.

Die zwei Treppenabgänge führen in einen zentralen Verteiler. Ein Oberlicht und der direkte Hallenbezug sorgen auch hier für natürliches Licht. 4 Umkleidebereiche und weitere Nebenräume organisieren sich symmetrisch zu diesem Zentralraum. Leuchtende Farben  korrespondieren mit dem rohen Beton und wirken entgegen eines Untergeschoss-Charakters.

Der Sportbereich ist mit knapp 800m² als 2-Feld-Sporthalle konzipiert. Gegenüber den Nebenräumen liegt ein ebenfalls erdüberdeckter Geräteraum. Die Prallwand zeigt sich dezent im Farbton des Sichtbetons. Tore wie auch die Lüftungsöffnungen sind hierin integriert.  Decke und Sportboden bilden in ihrer Farbigkeit ein Spannungsfeld das die Nutzung wie auch die Horizontalität des Gebäudes wiederspiegelt.

 

Kulturhalle:

Die Kulturhalle betritt man über den westlichen Vorplatz. Fassade und Decke setzen sich im Inneren in den Sichtbetonoberflächen fort. Mit Eichenholz ausgekleidete Oberlichter belichten den tiefen Raum zenital. Große Akustiksegel greifen die Form der Oberlichter auf und ergänzen sie rhythmisch.

Die Kulturhalle schlägt mit ihren natürlichen Oberflächen einen ruhigeren Ton als die Sporthalle an. Der Sichtbeton ist das verbindende Element und glaubhaftes Material dieser weitspannenden Architektur.

Das Foyer liegt im Zentrum des Gebäudes. Durch große mobile Wände lässt es sich um die Fläche des Multifunktionsraums erweitern oder zum Saal hin öffnen. Damit sind vielseitige Veranstaltungsmöglichkeiten auf über 630 m² Raum möglich.

In einer Nebenraumspange zwischen Foyer und Sporthalle sind die Sanitäreinrichtungen und weitere dienende Räume angeordnet. Dezente Farben bilden hier den Kontrast zu den Sichtbetonoberflächen.

Das Herz des Gebäudes bildet der 344 m² große Saal. Wie das Foyer bietet dieser Ausblick und direkten Zugang auf den Vorplatz. Das Holz des Parketts setzt sich in der Wand- und Deckenverkleidung fort und rahmt die Bühne. Der Raum hat einen quadratischen Grundriss. Die nach Süden abfallende Decke gibt ihm allerdings eine Blick-Richtung, die die Bühne in den Vordergrund rückt. Nördlich begrenzt ein großes Oberlicht den bis zu 8m Hohen Raum und sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung. Die Indirekte Beleuchtung der Decke greift dieses Nordlicht auf. Zusätzliche Pendelleuchten lassen auch intimere Raumstimmungen zu.

Die Küche wird über einen Nebeneingang erschlossen und bedient Saal und Foyer gleichermaßen. In einem Untergeschoss befinden sich weitere Nebenräume.

Die Transparenz steht für den öffentlichen Charakter dieses Bauwerks. Viel natürliches Licht und ein großer Außenbezug waren ebenso Projektziele wie eine gute akustische und thermische Qualität. Durch die Integration von Licht- und Lüftungstechnik entstand eine schnörkellose Architektur die die Materialien in den Vordergrund rückt.

Auszug aus dem Preisgerichtsprotokoll

"Die neue Kultur- und Sporthalle liegt wie ein gestrandetes Floß ganz ruhig und selbstverständlich, wie zufällig am Rand der Bachaue der Steinlach.
Die höhere Kubatur der Festhalle bildet einen kräftigen „gemauerten Ankerpunkt“ in Korrespondenz mit dem Gebäude der Grundschule. Nach Norden hin löst sich das Gebäude in horizontalen Schichtungen auf und nimmt einen schwebenden Charakter an. Dabei wird das Gebäude über eine umlaufende Reling zum Sitzen sehr schön in die Landschaft eingefügt.
Die Erschließung von Sport und Kultur ist an das bestehende Wegenetz angebunden. (...)
Der Entwurf erfüllt das Raumprogramm und auch die gewünschte Funktionalität bei Veranstaltungen außerordentlich gekonnt. (…)
Die Gestaltung der Fassaden zeigt eine sehr sorgfältige Ausarbeitung. Die Transparenz lässt den Grünraum aus Norden, Westen und Osten ins Gebäude hineinwirken.
Es gibt keine Rückseite. (...)
Insgesamt ein liebevoll ausgearbeiteter Entwurf, der sowohl städtebaulich als auch funktional und gestalterisch überzeugen kann."

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